DMEA 2026 – Wenn Reichweite gefährlicher wird als Unwissenheit
Vom 21. bis 23. April 2026 hatten Studierende die Gelegenheit, die DMEA – Europas führende Fachmesse für Digital Health – in Berlin zu besuchen.
Die Veranstaltung bot spannende Einblicke in aktuelle Entwicklungen der digitalen Gesundheitsversorgung sowie zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis.
Nachfolgend ein Bericht von zwei MMI-Studierenden, Charline Müller und Thomas Bietendüwel:
Auf der DMEA 2026 in Berlin erlebten wir eine Keynote von Luis Teichmann, die uns noch lange nachdenken ließ. Luis Teichmann ist Rettungssanitäter, Autor und unter dem Namen 5_sprechwunsch als Content Creator aktiv. Er sprach über Digital Health in Zeiten zunehmender Falschinformationen und stellte gleich zu Beginn eine provokante These in den Raum: Digitale Falschinformationen zu gesundheitlichen Themen werden unsere größte Herausforderung in den sozialen Medien.
Die Keynote mit dem Titel „Agieren statt reagieren – Digital Health in Zeiten zunehmender Falschinformationen“ hat schon in der Ankündigung sofort unser Interesse geweckt. Mit seiner Erfahrung im Rettungswesen und einer starken Präsenz in den sozialen Medien brachte Luis Teichmann eine ganz neue Perspektive ein und konnte diesem aktuellen und wichtigen Thema auf der DMEA die passende Bühne bieten.
Besonders überrascht hat uns das Beispiel der sogenannten Medfluencer, also Personen in Arztkittel oder Uniform, die ihren Vertrauensbonus gezielt nutzen, um mit Desinformation gespickte Videos zu produzieren. Center Shocks gegen Panikattacken? Klingt absurd und geht dennoch viral. Hinweise auf eine evidenzbasierte Aussage? Fehlanzeige. Erkrankungen und Symptome werden so zugunsten von Reichweite bagatellisiert und normalisiert.
Für uns Studierende im Medizinischen Informationsmanagement hat diese Keynote einen blinden Fleck sichtbar gemacht: Während wir lernen, Gesundheitsinformationen qualitätsgesichert zu erfassen, zu strukturieren und zugänglich zu machen, erreichen schlecht aufbereitete oder schlicht falsche Informationen Millionen von Menschen. Und das leider wesentlich schneller als jede Korrektur. Genau hier liegt unsere Verantwortung: verlässliche Informationen so aufzubereiten, dass sie für alle verständlich und erreichbar sind.
Die DMEA hat uns gezeigt: Gesundheitskompetenz ist keine Selbstverständlichkeit und wir können aktiv dazu beitragen. Nicht reagieren, sondern agieren.