08.07.2026

TruePicture Awards 2026

Vier der fünf Förderpreise gehen an Alumni des Studiengangs Visual Journalism and Documentary Photography. Sie erhalten je 15.000 Schweizer Franken für ihre Fotoprojekte.

Die Absolventinnen des Studiengangs Visual Journalism and Documentary Photography: Hannah Aders, Nerea Lakuntza, Julius Schien und Florian Sulzer setzten sich mit ihren Projektideen gegen Bewerber*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Alle vier haben ihr Studium erst kürzlich abgeschlossen. Das Preisgeld von jeweils 15.000 Schweizer Franken ermöglicht es ihnen, in den kommenden 18 Monaten mit Unterstützung erfahrener Mentor*innen an ihren Fotoprojekten zu arbeiten.
Das Schweizer Förderprogramm TruePicture zeichnet keine fertigen Arbeiten aus, sondern Vorhaben. Bewertet werden Originalität und gesellschaftliche Relevanz eines Projekts sowie Portfolio und Bildungsbiografie der Bewerber*innen. Seit dem Start des Programms 2022 sind insgesamt 192.500 Franken (umgerechnet rund 206.000 Euro) an aktuelle und ehemalige Studierende des Hannoveraner Studiengangs gegangen – allein in diesem Jahr 60.000 Franken. TruePicture gilt damit als die größte Fördermöglichkeit für Studierende und Alumni des Studiengangs.
Aus 33 nominierten Talenten wählte die Jury in einem mehrstufigen Verfahren fünf Awards und zwei Honorable Mentions aus. Ihr gehörten Projektleiter Manuel Bauer, NZZ-Bildredakteurin Nicole Aeby und Sarah Girard, ehemalige Direktorin der Bieler Fototage, an. 16 der Nominierten studieren derzeit in Hannover oder haben dort ihren Abschluss gemacht. Nominiert werden können durch den Studiengang selbst nur aktuelle Studierende sowie Absolventinnen aus diesem und dem vergangenen Jahr; darüber hinaus können Alumni und Studierende auch von anderen Nominatorinnen vorgeschlagen werden.
Jurorin Sarah Girard begründete die Entscheidung damit, dass die ausgezeichneten Reportagen-Projekte gesellschaftliche Brennpunkte thematisierten und durch eine hohe Qualität der Bildsprache überzeugten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Porträt von Hannah Aders – Preisträgerin des TruePicture Awards 2026

Hannah Aders

Hannah Aders ist freie Fotografin und studierte nach ihrer Ausbildung am Lette Verein in Berlin Visual Journalism and Documentary Photography in Hannover. Neben redaktionellen Arbeiten beschäftigt sie sich in ihrer Fotografie hauptsächlich mit Langzeitprojekten. Wie kommen wir uns als Gesellschaft näher? Ihr Fokus liegt auf gesellschaftspolitischen Themen, Identität, Klima und internationale Zusammenhänge. Sie fotografiert für Kunden wie Fluter, Spiegel, ZEIT Online, FAZ, Der Freitag, Stuttgarter Zeitung oder die TAZ.
Aktuell arbeitet sie als Bildredakteurin beim SPIEGEL.

Ein Werbeplakat auf der Rüstungsmesse Enforce Tac, 25.02.2025, Nürnberg, Deutschland, © 2025 Hannah Aders

Made in Germany

Ein Werbeplakat auf der Rüstungsmesse Enforce Tac, 25.02.2025, Nürnberg, Deutschland, © 2025 Hannah Aders

Porträt von Nerea Lakuntza  – Preisträgerin des TruePicture Awards 2026

Nerea Lakuntza

Nerea Lakuntza ist Fotografin, geboren in einem kleinen Dorf im Baskenland im Norden Spaniens. Ihre Arbeit erkundet persönliche Geschichten aus einer sensiblen Perspektive und passt ihre visuelle Sprache den Bedürfnissen jedes Projekts an. Sie interessiert sich dafür, in andere Lebensrealitäten einzutauchen und durch Fotografie eigene Fragen zu beantworten, um diese mit Empathie an die Betrachter weiterzugeben. Nach einer Ausbildung in künstlerischer Fotografie in Pamplona zog sie nach Deutschland, wo sie Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover studierte und die Möglichkeit hatte, in verschiedenen deutschen Medien zu veröffentlichen.

Friedhof San José. 19.05.2025, Cádiz, Andalusien, Spanien © 2025 Nerea Lakuntza

Inconclusive

Friedhof San José. Auf diesem und vielen anderen Friedhöfen im Land sind nur wenige Babybestattungen registriert. Krankenhäuser erklärten, die Babys seien dorthin gebracht worden, doch oft fehlen Einträge als Beleg. Nach der Schliessung des Friedhofs 1994 wurden zahlreiche Gräber exhumiert, viele waren leer. Wo Überreste gefunden wurden, warten Familien bis heute auf DNA-Ergebnisse, um Gewissheit über ihre verschwundenen Angehörigen zu erhalten. 19.05.2025, Cádiz, Andalusien, Spanien © 2025 Nerea Lakuntza

Porträt von Julius Schien – Preisträger des TruePicture Awards 2026

Julius Schien

Julius Schien hat Visual Journalism und Documentary Photography in Hannover studiert, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Er setzt sich in seiner Fotografie primär mit der Frage auseinander, was es bedeutet, sich dem politischen Erbe Deutschlands und der rechten Kontinuität des Landes zu stellen. Dabei zielt er darauf ab, längst vergessene Geschichten rechter Gewalt, die unter der Oberfläche der Alltäglichkeit liegen, in nüchtern anmutenden Landschafts- und Stadtportraits herauszuarbeiten. Seine Arbeiten entstehen auf analogem Großformat. Julius ist ausgewählter Künstler der Triennale der Photographie in Hamburg für die europäische Fotograf:innen-Plattform FUTURES.

Dresden, Deutschland © 2024 Julius Schien

Rechtes Land

Marwa El-Sherbini wird im Gerichtssaal des Landgerichts Dresden von einem Neonazi erstochen. Sie hatte den Täter angezeigt, nachdem dieser sie und ihren Sohn auf einem Spielplatz rassistisch beschimpft hat. Nachdem sie als Zeugin in einem Prozess gegen ihn ausgesagt hat, stürzt sich der Täter im Saal auf sie, sticht mehrmals auf sie ein und verletzt ihren Ehemann bei seinem Versuch, sie zu beschützen. Polizist:innen schießen auf ihren Ehemann, als sie versuchen, den Täter zu überwältigen. Marwa El-Sherbini stirbt vor Ort im Beisein ihres dreijährigen Sohnes, während ihr Ehemann schwer verletzt überlebt. Dresden, Deutschland © 2024 Julius Schien

Porträt von Florian Sulzer – – Preisträger des TruePicture Awards 2026

Florian Sulzer

Florian Sulzer (*1994) lebt in Wien und arbeitet als freiberuflicher Dokumentarfotograf für Medien wie Mare, Spiegel, Zeit oder den Standard. Er absolvierte ein Praktikum als Fotojournalist bei der Tageszeitung Weser-Kurier in Bremen und verbrachte ein Auslandssemester am Pathshala South Asian Media Institute in Dhaka, Bangladesch. 2024 schloss er sein Bachelorstudium im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover ab. Berufsbegleitend absolvierte er den Lehrgang „Nachhaltigkeitskommunikation und Klimajournalismus“ an der Fachhochschule Joanneum in Graz. Der thematische Fokus seiner freien Projekte liegt auf Umwelt- und Klimathemen, die als Langzeitreportagen konzipiert sind und Themen aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten.

Mit vereinten Kräften holen Hånsa Olofsson und Mats Andersson die Reuse ins Boot. 03.09.2025, Yngsjö, Schweden, © 2025 Florian Sulzer

Anguilla anguilla

Mit vereinten Kräften holen Hånsa Olofsson und Mats Andersson die Reuse ins Boot. 03.09.2025, Yngsjö, Schweden, © 2025 Florian Sulzer