Safe Space - Suche nach einem inneren Ort im KUBUS

30.04.2025 - 04.05.2025
Details in Beschreibung

Welche psychischen und physischen Schutzräume kann es für uns geben? Studierende des sechsten Semesters Experimentelle Gestaltung der Hochschule Hannover sowie internationale Studierende erfinden im städtischen Ausstellungsraum KUBUS eine gemeinschaftliche Rauminstallation: Safe Space ist ein geschützter Raum, in dem Menschen sich spüren können.

 

Prof.in Johanna Pfau und Prof.in Dorothee Weinlich hinterfragen mit den Studierenden, was in einem Raum entsteht, wenn künstlerisch tätige Individuen sich zusammentun, um ein inneres Refugium und einen Schutzraum der Seele inmitten von vielen Menschen zu gestalten? Und inwiefern kann dies für unsere Gesellschaft beispielhaft sein? „Es braucht Mut, Stärke und Offenheit, um räumlich-sinnliche Ausdrucksmöglichkeiten und Diskursansätze für spannungsvolle Kategorien wie innen und außen, Mensch und Natur, oder auch einen Dialog zwischen den Generationen zu schaffen“, erklärt Prof.in Dorothee Weinlich.

 

Die Besucher*innen der Rauminstallation sind eingeladen, sich mit den Studierenden in Workshops auszutauschen und mitzugestalten.

Veranstal­tungs­ort

Städtische Galerie KUBUS, Theodor-Lessing-Platz 2, 30159 Hannover

Ausstellungsbild | Zeichnung von Johanna Pfau

Eröffnung
30.04.2024, 19 Uhr
 

Ausstellungszeitraum
30.4.-04.05.2025
 

Workshops während der Ausstellung
01.05-04.05., täglich von 11-12 Uhr und 15-16 Uhr (partizipative Interaktionen der Studierenden mit Besucher*innen)

Im Studienschwerpunkt Experimentelle Gestaltung studieren angehende Künstler*innen, die ihre Position gesellschaftlich verankern wollen. Ihr primäres künstlerisches Interesse gilt der Interaktion in Form von Projekten, Vermittlung, Workshops und Ausstellungen. Im Studiengang sind die gesellschaftlichen transformatorischen Prozesse im Besonderen implementiert.

Rundgang


Himmel+Hölle-Hüpfspiel im Eingangsbereich

Die gewohnte Vergänglichkeit eines üblicherweise mit Kreide gezeichneten Kinderspiels bekommt durch die Verwendung von bestickten Textilien eine Dauerhaftigkeit. Die nummerierten Felder beginnen auf dem Boden und erstrecken sich über die Fensterbank auf das Glas bis hin zur Decke. Einerseits bietet das Spiel mit physischen Gesetzmäßigkeiten besondere Freiheit, andererseits besteht weiterhin die Norm des tatsächlich Umsetzbaren.

Die Besuchenden werden direkt im Eingang der Ausstellungsräume mit der Entscheidung konfrontiert, ob die auf dem Boden liegenden Felder betreten oder umgangen werden sollen.

 

Das Gedicht

Durch die gesamten Ausstellungsräume zieht sich eine lyrische Auseinandersetzung mit dem Thema Safe Space in Form fragmentarischer Tagebucheinträge, deren Schilderungen banaler Alltagserlebnisse irritierend wirken und mit tiefgehenden Emotionen vermischt werden. Die unaufgeregte Typografie macht das individuell Erlebte zu einer allgemeingültigen Erfahrung.

Der gesamte Text ist auf den Wänden kurz unter der Decke verteilt und nicht mit einem einzigen Blick zu erfassen.

 

Vorhang

Beim Betreten des großen Raums stehen die Besuchenden erneut vor einer Entscheidungsmöglichkeit: Am dort hängenden Fadenvorhang vorbei oder durch diesen hindurch gehen. Wird sich für das Hindurchgehen entschieden, werden die Besuchenden einem taktilen Reiz durch die Berührung der Fäden ausgesetzt. Der Vorhang hängt über mehrere Quadratmeter verteilt von der Decke und ist in organischen Formen angeordnet, die an eine Trauerweide erinnern, unter der sich versteckt werden kann. Auch wenn die hängenden Fäden nie eine feste Begrenzung darstellen, entsteht das Gefühl eines separierten Schutzraums.

 

Aquarium mit Papierbooten

Auf der Fensterbank steht ein Aquarium mit einem ungefähren Fassungsvermögen von 200 Litern. Neben diesem liegt ein Stapel mit Papier. Bereits vor Beginn der Ausstellung werden gefaltete Papierboote in das Aquarium gesetzt, die sich nach einiger Zeit vollsaugen und zu Boden sinken. Während der gesamten Laufzeit werden die Besuchenden durch die ausgelegten Papiere intuitiv dazu aufgefordert, sich aktiv zu erinnern, sich über das Bauen von Papierboten auszutauschen, diese zu basteln und selbst zu Wasser zu lassen. (Da keine konkrete Aufforderung zum Basteln ist, stehen die Besuchenden vor der Verunsicherung, ob es erlaubt ist, ein Boot zu bauen oder nicht.)

 

Leiter

Schräg zu den Wänden, frei im Raum von der Decke hängend, befindet sich eine Leiter, die in gehäkelte Deckchen eingenäht wurde. Es ist offensichtlich, dass diese Leiter nicht betreten werden kann, weil sie keinen sicheren Halt bieten würde, was das Gefühl von Unsicherheit verstärkt, welches viele Menschen mit dem Stehen auf Leitern verbinden. Gleichzeitig sind Leitern häufig die einzige Möglichkeit, etwas zu erreichen, das ohne dieses Hilfsmittel nicht erreichbar wäre. So symbolisiert die Leiter die Verbindung zwischen Wunsch und Ungewissheit. 

 

Einnähen-Performance

Auf einem zusammengenähten Gebilde aus Stoff, das an der Wand hängt, wird die Aufnahme einer Performance projiziert. Der im Video beobachtbare Prozess des Sich-Einnähens repräsentiert den maximalen Rückzug in die eigene Komfortzone, die emotionalen sowie körperlichen Schutz verspricht. Dennoch schränkt die selbstgenähte Hülle die eigene Bewegungsfreiheit so sehr ein, dass es keinerlei über sie hinaus gehenden Aktionsradius mehr gibt. Die Befreiung aus dem Kokon wird notwendig, um erneut eine Handlungsmöglichkeit zu erlangen.

 

Butze

In der Ecke von Wand und Fenster steht ein begehbares Gebilde aus Gips, das der Form nach an die äußere Hülle einer aus Möbeln und Decken gebauten „Höhle/Butze/Bude“ erinnert. Wird in die Höhle hineingesehen, ist erkennbar, dass das Gerüst aus Möbeln nicht mehr vorhanden ist. Die steife Hülle schwebt. Die Festigkeit dieses Objekts steht im Widerspruch zu den eigenen Kindheitserinnerungen. Die „Butze“ kann zwar nicht mehr zusammenbrechen, enthält aber auch nicht die gewohnte Gemütlichkeit.

 

Bubbles

Über der Treppe zum Keller der Galerie hängen acht transparente Plastikschwimmbälle in leicht voneinander abweichender Höhe von der Decke. Der Abstand zwischen den Bällen ist so groß, dass nebeneinander hängende Bälle sich berühren und voneinander abprallen können, wenn sie von außen angestoßen werden. Das Anstoßen der Bälle ist von beiden Seiten der Treppe aus möglich. Vom unteren Ende der Treppe ist ein Stimmengewirr zu hören, aus dem gelegentlich Sätze vernehmbar sind, die stellvertretend für verschiedene soziale Blasen stehen.

 

Gips-Performance

Auf einem Röhrenbildschirm (alter Monitor) wird das Video einer Performance abgespielt, in der sich eine Person mit weißer Tonerde einreibt. Zunächst ist die Konsistenz eher breiig und glänzend, im Verlauf des Videos trocknet die Tonerde jedoch und wird zu einer festen Hülle, die die Haut umgibt, die Bewegungen einschränkt und abzubröckeln beginnt. In Ritualen der Selbstfürsorge wird der eigene Körper als Rückzugsort wahrgenommen und das Selbst als zu pflegender Ort der Sicherheit, was allerdings die Gefahr von Isolation bedeuten kann.

 

Seifenblasen-Projektion

Auf eine Wand oberhalb einer Treppe wird die Aufnahme von Seifenblasen vor einem gemalten Himmel projiziert, der an Kinderbuchillustrationen erinnert. Die Seifenblasen sind in der Projektion überdimensional groß und sinken im Gegensatz zu realen Seifenblasen nicht nach unten, sondern steigen nach oben. So wirkt das Gesehene trotz seiner friedlichen Verträumtheit leicht irritierend.

 

Soundduschen

Nah am Fenster hängen drei begehbare Kuppeln in unterschiedlicher Höhe von der Decke, an denen ein Fadenvorhang befestigt ist. Beim Betreten ist der Kopf komplett von der Kuppel und der Körper vom Vorhang umgeben. In der Kuppel sind über kleine Lautsprecher teils angenehme und teils unangenehme Geräusche zu hören, auf die sich aufgrund der minimierten Reizeinwirkung von außen besonders gut konzentriert werden kann.

 

Cut-Out-Vorhang

Im Fenster hängen große Papierarbeiten, die mit Scherenschnittmuster abstrakt Nester abbilden. Die Papierflächen reichen von der Decke bis zum Boden. Fällt das Licht auf die Cut-outs wird das Muster an Wände und Boden geworfen.

 

Nester

Zwischen Wand und Fenstern hängen mehrere Gebilde leicht unterhalb der Decke, die an Schwalbennester erinnern. Aus dem Inneren der Galerie ist nur die Außenseite der Gebilde zu sehen, wohingegen durch die Fenster eine Art Querschnitt und Blick ins Innere möglich ist. Im Inneren befinden sich metallene Spitzen, die den Eindruck eines sicheren Schutzraums oder Nistplatzes stören.

 

Tierbau

Von außen sichtbar befindet sich zwischen Fenster und Wand ein schmaler Querschnitt eines engen Tunnelsystems aus bunten Kissen, das in seiner Form Ähnlichkeiten zu Tierbauten aufweist. Innerhalb dieses Tunnelsystems werden zu verschiedenen Zeitpunkten während der Ausstellung Personen liegen. Ein privat anmutender Raum wird durch die Offenlegung nach außen komplett einsehbar.

 

LED-Band

Ebenfalls von außen sichtbar ist ein LED-Band an der Wand angebracht, auf dem kurze Sätze abgespielt werden, die wie Tagebucheinträge formuliert sind. Die Besuchenden haben die Möglichkeit, über einen QR-Code eigene Erfahrungen zum Thema Safe Space mitzuteilen, die später über das LED-Band abgespielt werden.