28.08.2026

"Bilder sind Schauplatz von Macht"

Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V. spricht Prof.in Dr.in Karen Fromm darüber was Fotografie wird und nicht, was sie ist.

Karen Fromm, seit 2011 Professorin an der Hochschule Hannover im Studiengang Visual Journalism and Documentary Photography und seit 2022 Studiendekanin der Abteilung Design und Medien, hat der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) ein Interview gegeben. Im Gespräch mit Ute Noll spricht sie über ihr Verständnis von Fotografie als Medium der Interpretation und der Macht.
Fromm studierte Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften sowie Kultur- und Medienmanagement und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Vor ihrer Professur arbeitete sie unter anderem für die Galerie Pfefferberg Berlin, den Verlag Gruner + Jahr und die Presseagentur Focus. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Foto- und Bildtheorie, fotografischen Bildsprachen und dem Dokumentarischen. Sie ist zudem Gründerin der Forschungs- und Diskursplattform Image Matters und leitet die Internationale Klasse des Studiengangs.
Im Interview beschreibt Fromm, wie Fotografie seit ihren Anfängen als Instrument gesellschaftlicher Kontrolle eingesetzt wurde – von der Kriminalistik des 19. Jahrhunderts bis zur kolonialen Fotografie. Diese disziplinäre Funktion wirke bis in die algorithmischen Bildinfrastrukturen der Gegenwart fort. Bilder seien, so Fromm, nie neutral, sondern immer Teil von Politiken der Sichtbarkeit.
Auf die Frage, was aus dieser Kontrollfunktion im digitalen Zeitalter geworden sei, betont Fromm, dass die eigentliche Zäsur nicht in der technischen Bildherstellung liege, sondern in Praktiken der Vernetzung und Verteilung: Algorithmen, Plattformen und Metadaten würden zunehmend regulieren, was sichtbar wird. Zeugenschaft werde damit zu einer verteilten, kollektiven Aufgabe.
Warum sie trotz aller kritischen Auseinandersetzung an der Fotografie festhält und warum Skepsis die intensivste Form der Zuwendung ist, lesen Sie hier.