Mats Hoff (*1995 in Kiel) lebt und arbeitet in Hamburg. Sozialisiert durch Skateboarding, nutzte er die Fotografie zunächst vor allem als Mittel der Dokumentation. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter Digital & Print war er mehrere Jahre in den Bereichen Produktdesign, Typografie und Art Direction tätig, bevor sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Fotografie verlagerte. Die Auseinandersetzung mit Gestaltung und narrativen Strukturen prägt seine Arbeitsweise bis heute. Seit 2024 studiert er Visual Journalism and Documentary Photography an der Hochschule Hannover und arbeitet interdisziplinär als Dokumentar- und Porträtfotograf. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in DIE ZEIT, fluter und Emerge Magazine und wurden auf dem Fotofestival Horizonte Zingst sowie im Rahmen des Fotosommers der Triennale der Photographie Hamburg ausgestellt. 2026 wurde er für den Leica Oskar Barnack Newcomer Award nominiert, als Teilnehmer der Plat(t)form des Fotomuseums Winterthur ausgewählt und mit dem Blank Art Foundation Photo Award ausgezeichnet.
Mats Hoff gewinnt den VGH Fotopreis 2026 mit seinem Projekt "Grey Grounds"
Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 2008 jährlich unter den Studierenden des Studiengangs Visual Journalism and Documentary Photography der HsH vergeben und zählt zu den höchstdotierten Nachwuchspreisen für Fotografie in Deutschland.
Hoffs fotografischer Essay Grey Grounds ist eine persönliche Auseinandersetzung mit der Kleinstadt Munster im niedersächsischen Heidekreis. Mit mehr als 6.000 Soldat*innen und zwei Truppenübungsplätzen ist Munster der größte Standort des deutschen Heeres. Kaum ein anderer Ort in Deutschland ist so stark von der Bundeswehr geprägt: Sie ist hier identitätsstiftend und größter Arbeitgeber der Stadt. Zugleich treffen in Munster Zeitenwende, Aufrüstung und die Debatte um die Wehrpflicht auf eine über Jahrzehnte gewachsene militärische Infrastruktur. Mats Hoff gelingt es, dieses aktuelle Thema im Spannungsfeld von Alltäglichkeit und Aufrüstung, Verteidigungspolitik und Militarisierung sichtbar zu machen. Seine präzise Bildsprache richtet den Blick gerade auf die leisen, manchmal überraschenden Zwischentöne.
»In einer Zeit, in der viel über die Zeitenwende gesprochen wird, nimmt sich Mats Hoff Zeit, genau hinzuschauen und eine Nahaufnahme der Bundeswehr zu erarbeiten. Am Standort Munster dokumentiert er Übungen, porträtiert Personen in ihren Funktionen und zeigt, wie die Nutzung durch die Bundeswehr auch die Landschaft in Niedersachsen verändert. Dieser Ansatz hat die Jury überzeugt«, sagt Jurymitglied Hannah Schuh, Visual Director ART – Das Kunstmagazin.
»Angefangen hat für mich alles mit dem Autobahnschild Deutsches Panzermuseum. Irgendwann habe ich mich gefragt, was für ein Ort dahintersteckt – und das zu einer Zeit, in der über Aufrüstung, die Bundeswehr und die Rückkehr der Wehrpflicht diskutiert wurde. So entstand der Wunsch, mich fotografisch damit auseinanderzusetzen«, so der Preisträger Mats Hoff zu seiner Projektidee.
Die hohe Qualität und die Vielfalt der studentischen Arbeiten überzeugten die Jury. Die 37 für den 19. VGH Fotopreis eingereichten Projekte nehmen sowohl deutsche als auch internationale Themen in den Blick. Die Fotograf*innen reisten dafür unter anderem nach Afghanistan, Syrien, Mexiko, Bolivien, Chile, in die USA und in die Westsahara.
Der Fachjury gehörten in diesem Jahr an: Henner Flohr, Leiter der F.A.Z.-Bildredaktion; Lara Huck, Bildredaktion DIE ZEIT; Nicole Neumann, Bildredaktion DER SPIEGEL; Guido Schmidtke, Senior Photo Editor STERN; Hannah Schuh, Visual Director ART – Das Kunstmagazin; Katharina Täschner, Kuratorin C/O Berlin, und eine Vertreterin der VGH Versicherungen.
VGH Förderpreis geht an Jonathan Funk
Seit 2025 wird parallel zum VGH Fotopreis der mit 2.000 Euro dotierte VGH Förderpreis vergeben. Er unterstützt die Fortsetzung eines fotografischen Projekts finanziell und durch ein begleitendes Mentoring. Preisträger 2026 ist Jonathan Funk, der die Jury mit seinem laufenden Projekt Ji Reh û Ewran - Von Wurzeln und Wolken überzeugte. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Zukunft der Region Rojava im Nordosten Syriens nach dem Machtwechsel im Land.
Die Finalist*innen
Henryc Fels – Blindgänger
Jana Junker – I'm fine, thanks
Eyad Abou Kasem – Der Lange Weg Nach Hause
Jana Margarete Schuler – Zwischen Blut und Glitzer
Preisverleihung und Ausstellung
Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 2. Dezember 2026, um 19 Uhr in der GAF – Galerie für Fotografie in Hannover statt. Im Anschluss zeigt die GAF vom 3. Dezember 2026 bis zum 10. Januar 2027 die Preisträgerarbeit sowie die Arbeiten der Finalist*innen.
Jonathan Funk – Ji Reh û Ewran – Von Wurzeln und Wolken
Jonathan Funk lebt und arbeitet in Hannover. Seit 2023 studiert er Visual Journalism and Documentary Photography an der Hochschule Hannover und arbeitet vorrangig an dokumentarischen Langzeitprojekten. Geprägt durch seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie und seine Berufserfahrung in der Sozialen Arbeit untersucht er in seiner Fotografie politische und gesellschaftliche Veränderungen und deren Auswirkungen auf Individuen und Gemeinschaften. Sein Projekt Ortskontrollfahrt über den Rechtsruck in Deutschland wurde international ausgestellt und in SPIEGEL Wissen veröffentlicht; sein aktuelles, mit dem VGH Förderpreis ausgezeichnetes Projekt Ji Reh û Ewran - Von Wurzeln und Wolken beschäftigt sich mit der Zukunft Nordostsyriens nach dem Machtwechsel. Funk stand 2026 auf der Shortlist des World Report Award (Student Category), wurde für den LOBA Newcomer Award nominiert und ist Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung.
»Wir danken den VGH Versicherungen für die langfristige, nachhaltige und vertrauensvolle Zusammenarbeit und freuen uns sehr, dass wir mit beiden Preisen vielversprechende Nachwuchsfotografie unterstützen können.«